Bonnet, Hans - Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte.

Schrijver: Bonnet, Hans
Titel: Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. 2., unveränderte Auflage. Photomechanisher Nachdruck der 1. Auflage 1952
ISBN: 9783110033656
Taal: Duits
Uitgever: Berlin / New York : Walter de Gruyter, 1971
Bijzonderheden: Gebonden uitgave, linnen band, 883 pp. In zeer goede staat, zonder inscripties e.d.
Prijs: € 15,00
Verzendkosten: € 6,50 (binnen Nederland)
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ISBN 3110033658

Die altägyptische Religion war eine der großen antiken polytheistischen Religionen des Mittelmeerraums. Sie ist belegt von der Frühzeit der Herausbildung des pharaonischen Staates, in der letzten Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr., bis in die Zeit der römischen Herrschaft, als sie vom Christentum verdrängt und schließlich von den römischen Kaisern verboten wurde.
Einführung
Durch die Austrocknung der nordafrikanischen Wüsten wurden die Jäger- und Sammlerkulturen in Ägypten als Ackerbau treibende Bauern sesshaft. Ihre wüsten-nomadische Totem-Religion traf auf die einheimische Bauernreligion und vermischte sich mit dieser.
Wie in vielen alten Kulturen existierte auch im prädynastischen Ägypten in fast jedem Dorf der Glaube an einen oder mehrere unterschiedliche Götter. Durch den Zusammenschluss zu kleinen Teilreichen verbreitete sich auch die jeweilige Religionskultur zwischen verschiedenen Dörfern und Gegenden und es bildete sich ein zusammenhängendes Konglomerat mit den verschiedensten religiösen Ansichten. Maßgebend für die altägyptische Religion war der den Lebensrhythmus bestimmende Nil. Die jährliche Nilschwemme war ein wichtiges Ereignis, da sie den fruchtbaren Nährboden für erfolgreiche Ernten in die Ebene spülte. Die Schwemme ließ sich über die Stellung der Gestirne am Himmel ungefähr bestimmen, was ägyptische Gelehrte dazu brachte sich mit der Astronomie zu beschäftigten, welche dadurch auch Einfluss auf die Religion nahm.
Gliederung
Die altägyptische Religion hatte eine starke zeitliche, räumliche und soziale Gliederung.
Zeitliche Veränderungen
In den mehr als dreieinhalb Jahrtausenden ihrer Existenz hat sich die Religion verändert und weiterentwickelt, aber nie einen so starken Bruch erfahren, dass sie ihre Identität verloren hätte. Eine Ausnahme ist die Regierungszeit Echnatons, die aber im Gesamtkontext nur einen relativ kurzen Abschnitt darstellt.
Räumliche Gliederung
Trotz der starken Zentralisierung des pharaonischen Staates gab es im ganzen Land regionale und lokale Kulte. In den Provinzstädten waren Stadtgötter dominant, die für die jeweilige Bevölkerung jeweils als „höchster aller Götter“ angesehen wurden und für die regionale Identität der Bevölkerung wichtig waren. Diese Stadtgötter spielten teilweise auf der Ebene des Gesamtreiches nur eine untergeordnete Rolle. Im Zuge einer Verlegung der königlichen Residenz konnte der örtliche Stadtgott der neuen Residenz landesweite Bedeutung erlangen. So verdankt der thebanische Gott Amun seinen Aufstieg zum Reichsgott der Verlegung der Residenz nach Theben. Eine vergleichbare Bedeutung hat jedoch Ptah, Lokalgott der alten Residenz Memphis, nicht erlangen können (siehe auch: Memphitische Theologie). Einige Ortschaften erreichten wiederum nur durch die landesweite Bedeutung ihres Stadtgottes eine herausragende Stellung, so Heliopolis als Stadt des Re und Abydos als Stadt des Osiris.
Soziale Schichtung
Neben den offiziellen Staatskulten, in denen die Elite des Staates kosmisch wirksame Götter (Amun, Re, Osiris, Isis, Thot und andere) verehrte, gab es offensichtlich noch eine Religion des einfachen Volkes, in der spezielle niedere Götter verehrt wurden, die für die Aufrechterhaltung des Alltagslebens und der persönlichen Gesundheit der Menschen und ihrer Familien zuständig waren. Darstellungen dieser Götter (etwa Taweret und Bes) sind meist in Form von Kleinplastiken und Amuletten erhalten.
Charakterisierung
Siegfried Morenz charakterisiert die altägyptische Religion als:
gewachsene Religion (im Gegensatz zu einer gestifteten Religion),
Kultreligion (im Gegensatz zu einer Buchreligion) und
Nationalreligion (im Gegensatz zu einer Weltreligion).
Tatsächlich gibt es kein Stiftungsdatum der altägyptischen Religion, die vermutlich aus verschiedenen afrikanischen Kulten – ähnlich wie der altägyptische Staat – langsam zusammengewachsen ist. Typisch ist auch die ständige Weiterentwicklung. Es gab in dieser Religion keine geoffenbarten kanonischen Texte, die für alle Zeiten festgeschrieben und unveränderlich waren. Religiöse Texte wie Hymnen, Gebete und Jenseitsführer wurden zu allen Zeiten neu verfasst und ständig weiterentwickelt. Diese Texte wurden oftmals bei Kulthandlungen und Ritualen rezitiert. Der altägyptischen Religion konnte man auch nicht „beitreten“ oder sich persönlich zu ihr bekennen, zumindest nicht im Alten und Mittleren Reich. Die Religion wurde vom König und seinen staatlichen Institutionen aufrechterhalten, die Ägypten als den Kosmos betrachteten und das Ausland als (Übergang zum) Chaos, das zur Sicherung des Lebens und der staatlichen Ordnung von Ägypten ferngehalten werden musste. Aus diesem Grund standen die alten Ägypter Ausländern grundsätzlich ablehnend und misstrauisch gegenüber.
Jan Assmann (1984) rechnet mit drei „Dimensionen der Gottesnähe“, mit deren Hilfe er die Eigentümlichkeiten der altägyptischen Religion im kulturellen Vergleich umreißt:
die kultische,
kosmische und
mythische Dimension.
Nach Assmann ist für die altägyptische Religion die weitgehende Abwesenheit verschiedener Dimensionen der religiösen Erfahrung typisch. Dazu gehören:
Rausch, Trance, Ekstase, Schamanismus;
Mystik, Meditation, Versenkung;
Geschichte und persönliches Schicksal.
Die geschichtliche oder politische Dimension der Religion, also das Eingreifen eines Gottes in Belange des menschlichen Zusammenlebens (Politik, Rechtsprechung) sowie die „persönliche Frömmigkeit“, also die selbstständige Hinwendung des menschlichen Individuums zu einem Gott und die persönliche Heilserwartung an einen Gott, waren der altägyptischen Religion zumindest im Alten und Mittleren Reich fremd. Erst im Neuen Reich ab der 18. Dynastie gab es erste Entwicklungen in diese Richtung, die durch die Reformen des Echnaton kurzfristig zurückgedrängt wurden. Nach deren Scheitern entwickelte sich das politische Eingreifen religiöser Institutionen und die „Persönliche Frömmigkeit“ zu einem Merkmal der altägyptischen Religion, besonders in der Ramessidenzeit. (...)
(Wikipedia)
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